Zum Streiten gehören immer zwei

Zum Streiten gehören immer zwei!

Viele betroffene Mütter hören exakt diesen Satz von der Mitarbeiterin des Jugendamtes oder vom Verfahrensbeistand, manchmal von der eigenen Familie oder Freunden. Um es ganz deutlich zu sagen: Wer das behauptet, der hat nicht verstanden, dass es zwischen Streit und psychischer Gewalt einen Unterschied gibt!

Streiten sie noch oder prügeln sie schon?

Lassen Sie uns doch einmal diese Aussage durchdeklinieren:

  1. Zum Streiten gehören immer zwei.
  2. Zum Drohen und Beschimpfen gehören immer zwei.
  3. Zur Nötigung und Demütigung gehören immer zwei.
  4. Zum Stoßen und Schütteln gehören immer zwei.
  5. Zum Festhalten und Schlagen gehören immer zwei.
  6. Zum Verprügeln gehören immer zwei.
  7. Zum Würgen gehören immer zwei.
  8. Zum Töten gehören immer zwei.

Gewalttätigkeit gegen Frauen hat viele Gesichter. Hierzu hat das Bundeskriminalamt (BKA) Zahlen für 2015 veröffentlicht:

In 2015 wurden in Deutschland Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt:

  • von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: über 65.800,
  • von Bedrohung: über 16.200,
  • von gefährlicher Körperverletzung: über 11.400,
  • von Stalking: über 7.900,
  • von Mord und Totschlag: 331.

Quelle: Pressemitteilung BKA vom 22.11.2016, „Wenn das ei­ge­ne Zu­hau­se nicht sicher ist – Ge­walt in Paar­be­zie­hun­gen“

Insgesamt, so das BKA, waren 104.000 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen. Ferner führt das BKA aus:

Ebenso muss man von einem nicht unerheblichen Dunkelfeld ausgehen. Denn Opfer häuslicher Gewalt empfinden ihre Situation oft als ausweglos, sie werden nicht bemerkt und sie machen sich nicht bemerkbar.

Dem Familienministerium ist das bekannt. Es weiß auch, dass es vor allem im Rahmen von Trennungssituationen zu vermehrter Partnerschaftsgewalt kommt. In seiner Publikation Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen aus dem Jahr 2014 führt es dazu aus:

Im Zuge der Trennung und Scheidung kann bereits in der Partnerschaft bestehende Gewalt noch weiter eskalieren oder erstmals Gewalt durch einen Partner verübt werden.

Man muss sich angesichts des Verhaltens etlicher Verfahrensbeteiligten in familienrechtlichen Verfahren zu Umgang und Sorgerecht fragen: Lesen Familienrichter und Jugendämter solche Statistiken und Untersuchungsergebnisse eigentlich?

Zum Streiten gehören immer zwei?

Vorsicht! Natürlich sind immer zwei Menschen beteiligt, aber: Vielleicht handelt es sich hier um einen narzisstischen Täter und ein Opfer, das die Gewalt erleidet! Schauen Sie genau hin, auch wenn das unbequemer ist, denn dann können Sie sich möglicherweise nicht mehr auf eine ’neutrale Position‘ zurückziehen.

Machen Sie dem Opfer von Partnerschaftsgewalt, egal in welcher Form die Gewalt ausgeübt wird, das Leben nicht noch schwerer, in dem Sie es auch noch dafür (mit-)verantwortlich machen.

Opfer von Gewalt brauchen unsere Unterstützung!

Safety First!

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