Mutter verliert schwerst behindertes Kind durch Gutachten

Eine Mutter verliert ihre drei Kinder, darunter ein schwerst behindertes Kind, durch ein katastrophales Gutachten. Das Gutachten weist nicht nur erhebliche und leicht erkennbare Fehler auf. Es ist auch unter nicht akzeptablen Umständen erstellt worden, die nicht geschildert werden können, da sonst die Anonymität gefährdet wäre.

Mutter gibt Karriere für behindertes Kind auf

Die Frau, Beamtin des gehobenen Dienstes, gab nachdem das älteste Kind vor 10 Jahren auf die Welt kam, ihren Beruf auf. Das Kind kam durch einen Geburtsfehler schwest behindert auf die Welt. Es braucht 24 Stunden Betreuung. Trotz dieser Erfahrung, kamen noch zwei weitere Kinder. Die beiden Mädchen sind jetzt in der Grundschule. Beide entwickeln sich prächtig. Der Junge wird bestmöglich gefördert. Die Mutter steht mit den betreuenden Ärzten seit seiner Geburt in engem Kontakt. Er ist dem Tod in den letzten Jahren mehrfach von der Schippe gesprungen.

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Natürlich macht man sich um ein behindertes Kind mehr Sorgen. Das weiß jede betroffene Mutter. Aber das wurde ihr jetzt zum Verhängnis: Der Gutachter diagnostizierte ihr ein krankhaftes symbiotisches Verhältnis zum Jungen. Er meinte erkannt zu haben, dass sie sich dagegen auf die Mädchen nicht ausreichend emotional einlassen könne. Der Gutachter mahnte an, dass für die Mutter die Betreuung des kranken Kindes zum Lebensinhalt geworden sei. Außerdem sah er ein mütterliches Erschöpfungssyndrom. Erstaunlich!

Der Vater macht Karriere

Der Vater ging seiner Karriere nach und fing ein Verhältnis mit seiner Sekretärin an. Er hat die Mutter seiner Kinder einfach aus dem Haus geworfen. Sie hatte keine Kraft sich zu wehren. Es besteht der Verdacht einer narzisstischen Störung bei dem Mann. Sie war über Jahre hinweg seinen Attacken ausgesetzt. Jetzt ist seine Sekretärin und ihre drei eigenen Kinder in das Haus gezogen. Nun hat er das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die drei Kinder erhalten. Im Haushalt des Kindesvaters leben jetzt acht Personen und drei Hunde. Für ein behindertes Kind bedeutet das permanente Reizüberflutung. Betreut wird es allerdings nicht etwa vom Vater, sondern von einer angestellten, nicht fachmännisch ausgebildeten Person. Der Gutachter fand, dass der Kindesvater erziehungsgeeigneter sei. Das allerdings, so muss man konstatieren, musste er ja bisher kaum belegen.

Entsetzen der Mutter wird als Suizidalität gewertet

Die Mutter war entsetzt über das Gutachten, wütend und verzweifelt. Jeder normale Mensch kann das nachvollziehen. Der Gutachter allerdings machte daraus eine Suizidgefährdung, was dazu führte, dass ihr die Kinder im Eilverfahren ohne Gerichtsverhandlung entzogen wurden. Kinder, um die sie sich seit 10 Jahren praktisch allein gekümmert hatte.

Kein Rechtsmittel möglich

Gegen den Beschluss im Eilverfahren ist kein Rechtsmittel möglich. Die Kindesmutter muss einen Antrag auf mündliche Verhandlung stellen. Erste Instanz, zweite Instanz… Das wird dauern. Bis dahin werden Tatsachen geschaffen.

Unnötig zu erwähnen, dass der Vater über ein überdurchschnittlich gutes Einkommen verfügt. Die Mutter nicht. Er kann seinen Anwalt bezahlen; sie ist auf Verfahrenskostenhilfe angewiesen. Unnötig darauf hinzuweisen, dass ein Anwalt durch das geringe VKH Honorar sein Engagement auch wirtschaftlichen Interessen unterordnen muss. Das Ungleichgewicht setzt sich also fort.

Der Umgangsantrag der Kindesmutter nach § 155 FamFG, also im Eilverfahren, lässt der Richter liegen. Übrigens ebenso wie den Antrag auf Trennungsunterhalt. Jedweder Kontakt zu ihren Kindern wird ihr vom Kindesvater derzeit verwehrt mit der Begründung, sie sei suizidal. Woraus der Gutachter allerdings diese Erkenntnis gewonnen haben will, wird aus dem Gutachten nicht erkennbar. Es scheint wohl einfach nur seine Meinung zu sein.

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Artikel 1 Absatz 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Artikel 6 Absatz 4: Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Definition Kindeswohlgefährdung

Kindeswohlgefährung ist ein das Wohl und die Rechte eines Kindes… beeinträchtigendes Verhalten oder Handeln bzw. ein Unterlassen… das…  zu körperlichen und seelischen Schädigungen und/oder Entwicklungsbeeinträchtigungen eines Kindes führen kann…

Quelle: Kinderschutz-Zentrum Berlin KINDESWOHL – Erkennen und Helfen, 11. Auflg. 2009, S. 32

Der Entzug der Hauptbezugsperson und leiblichen Mutter gehört nach Meinung des Richters und des Gutachters offenbar nicht dazu. Ich finde: Ein beschämendes richterliches Verhalten, ein beschämender Gerichtsbeschluss!

Der einzige Lichtblick bei dieser Geschichte: Die Frau fühlt sich unendlich befreit von einem Ehemann, von dem sie nicht nur keinerlei Hilfe erhielt, sondern der sie während der gesamten Ehezeit nur erniedrigt hatte. Trotz der Umstände spürt sie, wie ihre Kraft wieder kommt.

Warum ging sie nicht, wenn die Ehe so schlimm war? Oder warum wehrte sie sich nicht?

Leichter gesagt, als getan. Um das zu verstehen, muss man sich die Struktur von Gewaltbeziehungen ansehen. Das finden Sie demnächst in einem anderen Artikel.

Warum hat der Gutachter das nicht erkannt.

Das wiederum ist eine sehr gute Frage! Was Sie von Gutachten im Familiengericht erwarten können und vor allem, was nicht, finden Sie auf der Seite Der Gutachter.

 

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